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Erste Erfahrungsberichte zum Projekt Verantwortung
02. April 2016

Reichlich ein halbes Jahr ist nun ins Land gegangen und das Projekt Verantwortung, bei dem die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 8 und 9 im Fach Politische Bildung soziale Verantwortung übernehmen, geht nun in die erste große Reflexionsphase. Mit den Schülern und Schülerinnen sind wir oft im Gespräch und besprechen ihre Erfahrungen regelmäßig. So erfahren wir, wie glücklich manche sind, wenn sie schon am Zaun von den Kindergartenkindern erwartet werden oder wenn sich die Oma, die sie sich zur Betreuung ausgesucht haben, schon sehnsüchtig auf den vereinbarten Termin wartet. Hier ein paar Rückmeldungen von den Kindern:

" Ich habe was zu sagen und werde gehört."

"Ich fühle mich nützlich."

"Man muss sich was einfallen lassen, wenn man mit den Kindern spielen will."

"Ich konnte Lehrer sein und habe mir Respekt verschafft."

"Es ist sehr schön, dass die Kinder mich mit dem Namen begrüßen und sich total freuen wenn ich komme."

"Ich habe schon so viele interessante Geschichten von dem Leben früher gehört, das ist echt viel spannender als ich gedacht habe."

Aber unsere Schülerinnen und Schüler erfahren auch Situationen, in denen sie an ihre Grenzen kommen und darüber hinaus wachsen müssen:

"Es ist anstrengend, immer aufmerksam sein zu müssen."

"Die Nähe zum Tod ist manchmal gruselig."

"Als "Erzieher" muss man ganz schön Durchhaltevermögen haben."

"Es war echt kein schönes Gefühl als die Oma mich nicht sehen wollte und weggeschickt hat. Aber beim nächsten Mal hat sie sich wieder gefreut."

"Und beim nächsten Mal, als ich in die Einrichtung kam, war das Mädchen nicht mehr da, weil sie und ihre Familie abgeschoben wurden. Da hab ich mich nicht wirklich wohl gefühlt."

"Ich wusste gar nicht was ich machen sollte, als meine Omi anfing Hitler-Lieder zu singen."

Im Februar und März haben wir zusätzlich die Dokumentationen, die die Schülerinnen und Schüler über das Projekt anfertigen, eingesehen und jedem individuell eine Rückmeldung gegeben. Auch hier gab es sehr große Unterschiede hinsichtlich der Art der Dokumentation, der Gestaltung und natürlich auch des Umfangs. So entschieden sich einige, einen Internetblogg zu schreiben, es gab Dokumentationen als Sprachfiles, viele wählten eine einfache Kladde, manche gestalteten es wie ein kleines Tagebuch und probierten verschiedenen Methoden der Dokumentation aus. Einige Schüler schmückten ihre Dokumentationen mit Fotos und kleinen Zeichnungen der Kinder, andere wiederum beschränkten sich auf wenige Worte pro Einsatz. Beeindruckt hat mich, dass einzelne Schüler die Dokumentationsmappe auch gleich als Materialsammlung nutzen für spätere Einsätze im sozialen Bereich. Auch hier also zeigt sich eine große Vielfalt an Möglichkeiten. Im Augenblick evaluieren wir die Einrichtungen und befragen auch die Eltern und wir stellen fest, dass das Projekt sehr unterschiedlich wahrgenommen wird. Viele Eltern finden die Idee des Projektes hervorragend, hadern aber mit dem zusätzlichen Aufwand, den so eine Unterrichtsstunde am anderen Ort bedeutet. Aber soweit es bisher zu beurteilen ist, ist auch bei den Eltern unserer Schüler das Feedback überwiegend positiv und motiviert uns zum Weitermachen.

"PV ist für unsere Tochter ein voller Erfolg, sie geht gern und erfährt Wertschätzung."

"Das ist eine gute Alternative zur herkömmlichen Unterrichtsgestaltung."

"Wir finden es gut, dass Ziele klar und abrechenbar formuliert werden mussten und mit dem Projektpartner abgestimmt werden sollten."

"Unser Kind geht weit über den gesetzten Rahmen hinaus in die Einrichtung."

"Das Pflegepersonal ist äußerst zuvorkommend und behandelt unser Kind wie einen "kleinen Mitarbeiter" ."

"Sehr sinnvoll und lebenspraktisch."


Die dritte Evaluationssäule sind die Einrichtungen. Auch hier ist die Einschätzung des Projektes grundsätzlich positiv, aber es gibt auch Umstände, die sich als schwierig herausgestellt haben. So ist es gerade in Kindertagesstätten nicht so günstig, wenn unsere Schüler erst am späten Nachmittag das Projekt beginnen. Und oft scheint der Erfolg des Projektes auch davon abzuhängen, wie sehr sich der Schüler oder die Schülerin in die Arbeit der Einrichtung einbringen kann und möchte:

"Dass bei uns im Haus das Projekt "Verantwortung" so gut ankommt, verdanken wir der offenen und sympathischen Art der Schülerin. Mit eigenen Ideen bereichert sie das Team und alle sind sich einig: die eine Stunde ist viel zu schnell um." "Unser Team war anfangs etwas überrascht von der Idee, wir konnten uns dann aber gut damit identifizieren. ... Wir haben von A. erfahren, dass die Ziele der Jugendlichen in ihren Projekten selbst gewählt werden und sehr unterschiedlich sind. Das finden wir gut, es ist ja auch jeder Mensch anders." "Unser Betreuungsteam findet das Projekt sehr interessant und auch für den weiteren Lebensweg der Schüler wichtig. Unser Schüler hat sich schnell und sehr gut mit seinen Betreuungsaufgaben vertraut gemacht." "Ich bin gern bereit, dieses interessante Projekt zu begleiten. Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass "unsere" Schülerin diese Stunde nicht ganz ernst genommen hat, wie es vermutlich angedacht war. Das ist sehr schade." "Das Projekt ist eine tolle Sache. Die Einrichtung selbst profitiert von vielen Ideen, Kontakten und Eindrücken, die die Schüler hinterlassen. Besonders aber unsere Bewohnerinnen und Bewohner genießen es natürlich, wenn zusätzlich zu unseren Angeboten hier etwas passiert. Durch diesen Einsatz müssen sich die Schüler intensiv auf neue, ungewohnte Situationen einlassen und kommen dabei in Kontakt zu Menschen, die Unterstützung benötigen. Sie lernen dabei andere Lebenswelten kennen, setzen sich so automatisch mit Fragen sozialer Gerechtigkeit, Werten, eigenen Stärken und Schwächen auseinander und reflektieren dabei ihre eigenen Wertvorstellungen." Es ist für uns sehr spannend zu erfahren, wie unterschiedlich die Schülerinnen und Schüler, die Eltern und die Einrichtungen dieses Projekt wahrnehmen. Und es ist toll zu erleben, wie Schüler davon berichten, dass sie Wertschätzung erfahren, Herausforderungen meistern, schulische Kenntnisse anwenden können, gefragt sind und erkennen, dass sie etwas Freude und Licht in das Leben anderer Menschen bringen können. "Ich habe das Gefühl, freundlicher und sozialer zu gegenüber meinen Mitmenschen und meiner Umwelt sein."

Anja Gertz