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Sind unsere Schüler gestresst?
09. Juni 2016

Diese Frage haben sich doch alle irgendwie und irgendwann mal gestellt – wir als Lehrer, Sie als Eltern und natürlich auch jeder einzelne unserer Schüler.

So versuchte Herr Seibt, ehemaliger Leiter des Studienseminars Cottbus und beratendes Mitglied unserer Schulkonferenz am 8. Juni 2016 im Rahmen der halbjährlich stattfindenden Vortragsreihe unserer Schule, darauf eine Antwort zu geben.

In gewohnter unterhaltsamer und unglaublich kompetenter Art führte er durch den Abend. Er belegte anhand neuster Umfrage- und Forschungsergebnisse zum Thema Schulstress, dass die Entwicklung mittlerweile durchaus als bedenklich einzustufen ist. Laut einer Umfrage des NDR leidet mittlerweile jeder vierte Schüler an Burnout-Symptomen, das Bundesministerium für Gesundheit stellte bereits 2008 fest, dass 40% aller Gymnasiasten Schmerzmittel nehmen und eine Studie aus dem Jahre 2013 zeigt, dass 80% der Schüler an Gymnasien unter Kopfschmerzen leiden und 40% der Kinder nicht mehr als zwei Stunden frei verfügbare Zeit pro Tag haben.

Was stresst aber unsere Schüler so sehr? An oberster Stelle steht, nach den Aussagen von Herrn Seibt, des Deutschen liebste Beschäftigung: das Vergleichen: „Mein Kind läuft eher als deins!“ „Ach, Herr Kollege, Sie sind noch nicht mal bei der Prozentrechnung!“ „Unsere Schule schneidet bei den Vergleichsarbeiten aber viel besser ab als eure!“ Vergleiche können immer nur eine Momentaufnahme sein, oft nehmen wir sie aber als Prognose für die Zukunft wahr.

Das unbedingte Vermeiden von Konflikten unserer Harmoniebedürftigen Gesellschaft war ein weiterer Stressor, ebenso wie die Tatsache, dass wir Erwachsenen uns heute kaum noch trauen, Autorität auszuüben und klare Ansagen zu machen, die den Kindern eine Richtung und somit Sicherheit geben können. Die Erwartung vieler Eltern an die Leistungen ihrer Kinder, die diese oft nicht im gewünschten Maß erbringen können wurden ebenso diskutiert wie die sogenannten „Helikopter-Eltern“, die ihren Kindern alles abnehmen und die Kontrolle und der Förderwahn dazu führt, dass sich die Kinder zu unmündigen und lebensuntüchtigen Personen entwickeln. Ein weiterer Faktor für Schülerstress ist die ungerechte Behandlung durch Lehrer, denn bei einem guten Lehrer-Schüler-Verhältnis und bei fairer Behandlung sinkt das Stressrisiko bereits um 40%.

Dann ging der Referent tiefer auf die maßgeblichen Stressoren ein und in welchem Maße sie Stress fördern. Im Anschluss beleuchtete Herr Seibt verschiedene Ansätze, wie diesen Stressoren begegnet werden könnte. Für Eltern gab es ein paar hilfreiche Tipps, Stress zu reduzieren. Und im Bereich der Schule lief es darauf hinaus, dass das momentane Bildungssystem eher darauf ausgelegt ist, Stress zu fördern als ihn zu reduzieren.

Ich fand es sehr ehrlich, dass Herr Seibt am Ende seine Ratlosigkeit nicht vertuschte, wie man die Schule so reformieren könnte, dass sie wieder ein Ort wird, wo das Lernen allen Spaß machen kann und an dem es tatsächlich um den Menschen und nicht um die Vermittlung von Inhalten geht.

Alles in allem ein sehr gelungener, abwechslungsreicher Vortrag, der die circa 70 Besucher sicher zum Weiterdenken animierte.

Hier einige Meinungen der Zuhörer:

„Sehr interessant , aktuell und nicht nur auf die Schule anzuwenden; gute Ansätze und es hat zum Nachdenken angeregt, bzw. meine Meinung bestätigt.“            

„Super, Spitze, Locker, Offen und viele Beispiele!“       

„Sehr interessant und unterhaltsam! Der Vortrag war absolut lebensnah!“      

„Sehr interessant, da das Thema so aktuell ist und sonst in der Öffentlichkeit so wenig Beachtung findet!“

„Der Referent ist Weltklasse! Locker, mit Witz und viel Charme!“

-> die dazugehörige Power Point

Anja Gertz

 

Quelle Foto: www.dasbiber.at/content/ich-kann-nicht-mehr